Video: Dieter Janecek (Die Grünen) im Interview | Warum die Legalisierung gut für die Wirtschaft ist

  • Veröffentlicht am: 28. Mai 2015 - 16:16
  • Von: Florian Rister

Dieter Janecek (Die Grünen) im Interview | Warum die Legalisierung gut für die Wirtschaft ist

Als ein Vertreter der CDU sich in der vergangenen Woche positiv zur Legalisierung von Cannabis äußerte, waren viele überrascht. Georg Wurth hat Dieter Janecek (Bündnis 90/Die Grünen) im Deutschen Bundestag getroffen und ihn zu seinem gemeinsamen Vorstoß mit Dr. Joachim Pfeiffer (CDU) interviewt. Warum die Legalisierung gut für die Wirtschaft ist.

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Kommentare

Schöner Beitrag !...Wäre aber natürlich toll, wenn es gelingen sollte, auch mit Hr. Pfeiffer ein Interview zu führen, da dies wohl eine gute ( bessere ) Chance hätte von anderen Sendern ebenso ausgestrahlt zu werden ! Schließlich ist er ja von der CDU !!
Was wiederum dafür sorgen könnte, das mehr Menschen die sich sonst eher wenig mit diesem Thema beschäftigen,darauf aufmerksam gemacht werden !!

MfG an die Redation und weiterhin viel Erfolg !......

Ja, Cannabis könnte in der Zukunft ein wirtschaftlicher Faktor sein.

Allerdings ist Alkohol heute schon ein wirtschaftlicher Faktor, auch wenn die Gesellschaft im Grossen und Ganzen draufzahlt, denn es wird erheblich mehr Geld ausgegeben, um mit den Folgen des stark süchtig machenden Zellgiftes halbwegs klar zu kommen, als man durch Steuereinnahmen wieder reinholt - etwas über 3 Milliarden bekommt der Staat durch die Sauferei in die Kassen:

"Im Schnitt pro Kopf gut 105 Liter Bier (Anm.: werden pro Kopf in Deutschland geschluckt), mehr als 20 Liter Wein, rund vier Liter Schaumwein und über 5 Liter Spirituosen. Zusammengerechnet entspricht das dem Inhalt einer Badewanne. Das lässt natürlich auch die Steuereinnahmen sprudeln. 2013 hat der Konsum von Alkohol Bund und Ländern 3,2 Milliarden Euro in die Kassen gespült."
http://www.deutschlandradiokultur.de/steuern-auf-alkohol-und-tabak-laster-die-sich-lohnen.976.de.html?dram:article_id=297024

aber...

"Die volkswirtschaftlichen Kosten belaufen sich auf 26,7 Milliarden Euro, davon sind allein 7,4 Milliarden direkte Kosten für das Gesundheitssystem."
http://www.drogenbeauftragte.de/drogen-und-sucht/alkohol/alkohol-situation-in-deutschland.html

Eine halbe Milliarde gibt die Alk-Industrie für Werbung aus, Zehntausende verdienen ihren Lebensunterhalt mit dem Gift, hundertausend etwa saisonell. Das ist ein Machtfaktor.

Jeder, der nur einmal im Leben einen Alkoholrausch und einen Cannabisrausch erlebt hat, weiss was von beiden gefährlicher ist; dass das Suchtpotential beim Alk erheblich höher ist, wissen in Deutschland wohl auch ein paar Millionen aus eigener Erfahrung.

Auch die Drogenbeauftragte weiss das:
"Jeder vierte Erwachsene (26,5%) im Alter von 18 bis 64 Jahren hat schon einmal eine illegale Droge probiert (ESA 2009). Dabei handelt es sich überwiegend um Cannabisprodukte."
http://www.drogenbeauftragte.de/drogen-und-sucht/illegale-drogen/heroin-und-andere-drogen/situation-in-deutschland.html
Was ihrer eigene These von der Gefährlichkeit von Cannabis offensichtlich widerspricht,
denn wo sind denn bitte all die vielen Millionen, die durch die "Einstiegsdroge" sehnsüchtig nach Härterem wurden oder gar durch das verfluchte Gras in Abhängigkeit, Arbeitsunfähigkeit und Elend getrieben wurde? Hätte Mortler mit ihrer Panik recht, Deutschland wäre längst in Lethargie und Dauerdröhnung untergegangen.

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Wie eine Freigabe von Cannabis mittel- bis langfristig auf den Alkoholkonsum wirkt, wird man an den Entwicklungen auf dem amerik. Kontinent immer deutlicher sehen.
Ich nehme mal an, dass die Sauferei zurückgeht wenn immer mehr Menschen die Erfahrung machen, um wieviel angenehmer, kontrollierbarer und sozialverträglicher Cannabis ist, das die Leute nicht in lallende, brüllende, in ihrer eigenen Kotze liegende und aggressive Mutanten verwandelt, die "traditionell" über unsere Volksfeste ziehen (eine wirklich schöne Tradition, auf die man stolz sein kann!).

Cannabis wird dem Alkoholkonsum in Deutschland schaden.
Die Alkoholproduzenten werden das wissen.
Es kann ihnen nicht recht sein.

Die Alkoholindustrie aber hat ihre Lobbys und ihre Lobbyisten, natürlich bis in den Bundestag.
Hier nur mal der "Deutsche Brauer-Bund"
https://www.lobbyradar.de/entity/552ff9cfaf9ee96e1c1df7f3
https://lobbypedia.de/wiki/Deutscher_Brauer-Bund

In bestimmten Regionen ist es politisch unvernünftig, sich gegen die Winzer, Brauer usw. zu stellen. Denen ein Konkurrenz zu bescheren, die (da bin ich überzeugt) auf einem freien Markt bessere Chancen hätte als der Alk - wäre politisch unvernünftig, zB. für Direktmandatsträger in einem Winzer-Wahlkreis.

Unsere Drogenbeauftragte wird zB. diese Fakten ihrer fränkischen Heimat gut kennen, da sie ja die Ochsentour durch die Provinz hinter sich hat (CSU-Bezirksverbands Mittelfranken, Kreistag, stellv. Landrätin, im Bundestag durch Direktmandat, agrarpol. Hintergrund - das alles ist in Opposition zur Alkohol-Lobby bzw. "Traditionspflege" ihrer Heimat kaum vorstellbar):

"Franken hat mehr als doppelt so viele Brauereien wie alle anderen Regionen Bayerns, mehr Brauereien als jedes Bundesland in Deutschland und als jedes Land Europas. Aus Gerste, Hopfen, Hefe und Wasser wird in Traditionsunternehmen sowie in kleineren und kleinsten Hausbrauereien fränkisches Bier gebraut – Franken kann mit der größten Brauereidichte Europas werben."
http://www.hanfjournal.de/hajo-website/artikel/2014/169_februar/s02_0214_Cousto_Mortler.php

Ich möchte mich nicht den immer und immer wieder kehrenden "Alk ist schlimmer als Hanf"-Gerede anschliessen, aber nochmal deutlich machen:

Es geht in dieser Frage, gerade bzgl. der Wirtschaft, vielleicht im Hintergrund auch ein wenig darum, eine unliebsame Konkurrenz vom Markt fern zu halten.

Alkohol würde allerdings einen grossen Martkvorteil behalten:
ab 16 würde man sich auch im Legalisierungsfall weiterhin seine Bierchen bestellen dürfen und eine gute Chance haben, bis zu dem Alter, wo man legal kiffen dürfte, bereits alkoholsüchtig zu sein.

Ein Anheben dieser Grenze ist, soweit ich es sehe, kein Bedürfnis zB. der Drogenbeauftragten.
Warum nicht?
Aus wirtschaftlichen Erwägungen. Aus rein wirtschaftlichen Erwägungen.

Ich befürchte so mancher Cannabis-Gegner ist eigentlich ein Alk-Unterstützer und auch dadurch motiviert, dass zB. in seinem Wahlkreis eine Kneipen-, Brauerei- und Winzerkultur schlichtweg ihre Märkte vor der Konkurrenz schützen wollen.
Ich hab hier neulich einen typisch verschwörungstheoretischen Kommentar gelesen, die "Regierung" verdiene vielleicht am Schwarzmarkt mit. Das halte ich für Unsinn, sehe es aber in gewisser Weise noch schwärzer:
Im Bundestag, in den Landtagen und vor allem auf Bezirks-, Kreis und Kommunalebene sind etliche Abgeordnete verstrickt bzw. teilweise abhängig von der Alkohol-Lobby. Da brauchts keine Verschwörungstheorie, da brauchts nur das Benehmen der lokalen Honorationen auf Volksfesten uä.

Es wäre vielleicht interessant, mal in Erfahrung zu bringen, wie zB. der Brauereibund oder die ihm nahestehenden BT-Abgeordneten über Cannabis denken...
Dass es da Unterstützer gibt, bezweifle ich nämlich stark.

Sehr lesenswerter und ausführlicher Kommentar, SOWAS MUSS verbreitet werden! ÜBERALL, damit die Öffentlichkeit diese Zusammenhänge erkennt und die Gesellschaft sich mehr eint!!!

Super geschrieben. Genau das steckt dahinter. Profit, so wie immer. Dass die Menschen durch diese legalen Drogen (Alkohol und Nikotin, übrigens beides Nervengifte! ) immer kranker werden, interessiert niemanden.

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